LFDE Marktkommentar vom 02.04.2025
Von Enguerrand Artaz, Fondsmanager bei LFDE
Paris / Frankfurt am Main, 01.04.2025 – In vielerlei Hinsicht ist die zweite Amtszeit von Donald Trump nicht mit der ersten vergleichbar. Dies gilt besonders für das Verbrauchervertrauen. Im Jahr 2016 hatte es sich nach den Wahlen deutlich beschleunigt und stieg über ein Jahr lang weiter an. Heute ist es – unabhängig von der betrachteten Umfrage – auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren oder sogar seit der Covid-19-Pandemie gefallen. Die US-Haushalte befinden sich in einer fragilen Situation. Seit der Aufhebung der Lockdowns haben sie ununterbrochen konsumiert, so dass die meisten ihre während der Pandemie angesammelten Sparüberschüsse vollständig aufgezehrt haben. In vielen Haushalten ist das Sparniveau sogar niedriger als vor der Pandemie.
Ersparnisse aufgebraucht, Konsum erschöpft
Die US-Zentralbank Fed stellte wies in ihrer jüngsten Umfrage zum Verbrauchervertrauen auf eine historisch niedrige Zahl der Haushalte hin, die sich sind in der Lage sehen, unerwartete Ausgaben in Höhe von 2.000 Dollar tätigen zu können. Dieses Austrocknen der Notreserven spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider. Der Anteil der US-Arbeitnehmer, die sowohl eine Vollzeit- als auch eine Teilzeitstelle haben, ist in den letzten Monaten stark angestiegen und liegt nun auf einem Niveau, das seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr erreicht wurde.
Der Konsum in den USA steht im Wesentlichen auf zwei Säulen. Zum einen auf den Arbeitseinkommen, die immer häufiger kumuliert werden müssen und deren Nachhaltigkeit angesichts der zunehmenden Verschlechterung des Arbeitsmarktes fraglich ist. Darüber hinaus dürften diese Einkommen von Donald Trumps Politik der Zollerhöhung betroffen sein. Selbst wenn sie sich als vorübergehend erweist und nicht zu einer neuen, dauerhaften Inflationsphase führen sollte, wird sie dennoch die reale Kaufkraft der Verbraucher beeinträchtigen.
Vermögenseffekt schwindet – Konsum der wohlhabenden unter Druck
Andererseits beruht der amerikanische Konsum auf dem Vermögenseffekt, der in den letzten Jahren insbesondere durch den starken Anstieg der Aktienmärkte genährt wurde. Diese zweite Säule ist ebenfalls geschwächt. In einer Zeit, in der die Amerikaner mehr Aktien halten als je zuvor – 33% des Nettovermögens im vierten Quartal 2024 –, dürfte sich die negative Dynamik der US-Märkte seit Jahresbeginn sehr wahrscheinlich als nachteilig für die Stimmung der Haushalte und ihre Konsumbereitschaft erweisen. Dies gilt umso mehr, als der US-Konsum noch nie so stark von den wohlhabenden Haushalten getragen wurde: 50 Prozent der Konsumausgaben entfallen auf die reichsten 10 Prozent. Dies sind auch die Haushalte, deren Vermögen am stärksten an den Aktienmärkten engagiert ist.
Europas Verbraucher als Hoffnungsträger
Während der amerikanische Verbraucher zu Recht Anlass zur Sorge gibt, nicht zuletzt, weil er in den letzten zwei Jahren der Hauptmotor des Wachstums war, gibt der europäische Verbraucher Grund zur Hoffnung. Denn im Gegensatz zu den amerikanischen haben die europäischen Haushalte ihre während der Covid-Pandemie angehäuften Ersparnisse kaum verbraucht und sogar weiterhin übermäßig gespart. Die Sparquote, die den Anteil des verfügbaren Einkommens darstellt, der nicht für den Konsum verwendet wird, liegt in der Eurozone seit zwei Jahren bei rund 15% und damit weit über ihrem Durchschnitt der beiden Jahrzehnte vor Covid (12,9%). Das ist verständlich: Mit dem Konflikt in der Ukraine, der galoppierenden Inflation, der Wirtschaftsflaute und politischen Unsicherheiten hatte der europäische Verbraucher viele Gründe, deprimiert zu sein. Und ein deprimierter Verbraucher ist ein Verbraucher, der spart. Allerdings scheinen sich die meisten dieser negativen Einflussfaktoren jetzt zu legen. Die verbesserten Aussichten könnten sich sehr positiv auf die Stimmung der Haushalte und damit auf den Konsum und das Wachstum auswirken. Die Verwendung der in den letzten Jahren angehäuften Sparüberschüsse und die Rückkehr zu einer Sparquote von vor der Pandemie – und damit einhergehend ein Anstieg der Konsumausgaben – könnte einen deutlichen Schub für das BIP-Wachstum bedeuten.
Kurz gesagt: Während der amerikanische Verbraucher zunehmend einem Seiltänzer gleicht, dessen Sicherheitsleine immer dünner wird, hat der europäische Verbraucher das Zeug zu einem Revolverhelden, der ungeahnte Vorräte an Trockenpulver gehortet hat. Kann das genug Rückenwind für Europa geben?