Allianz Global Investors "Die Woche voraus" vom 28.06.2019

„Was will uns „Mister Market“ sagen?“
Zwischen der Hoffnung auf mehr Unterstützung durch die Zentralbanken und der Unsicherheit, wie es im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit weiter geht, lohnt sich ein Blick auf die in den Marktpreisen enthaltenen Erwartungen.

Besonders auffällig sind natürlich die stark rückläufigen Renditen bei Staatsanleihen, welche im Falle deutscher Staatsanleihen bei längeren Laufzeiten sogar historische Tiefststände erreicht haben. Die Tatsache, dass Anleger am US-Geldmarkt für Juli 2020 ungefähr 1% niedrigere Leitzinsen erwarten, spiegelt ein für die nächsten Monate ziemlich trübes Konjunkturbild wider: ohne weitere Wachstumsverlangsamung wird wohl kein Notenbanker den ohnehin sehr eingeschränkten Spielraum für Unterstützungsmaßnahmen „verpulvern“.

Kontrastprogramm dagegen auf der Aktienseite: Indexstände in der Nähe der Allzeithochs bei vielen amerikanischen Indizes und zweistellige prozentuale Zuwachsraten seit Jahresbeginn signalisieren Hoffnung auf eine Belebung der Gewinndynamik für die kommenden Quartale, zudem dürfte die Aussicht auf baldige Zinssenkungen wieder höhere Bewertungen rechtfertigen. Bei genauerem Hinschauen entdeckt man allerdings auch im Aktienmarkt Wachstumsskepsis: So sind die Indexstände neben dem Technologiesektor als Wachstumsdauerbrenner vor allem durch defensive Sektoren wie Versorger und Nahrungsmittelproduzenten gestiegen, während konjunktursensitive Sektoren wie Rohstoffe, Chemie und der Automobilsektor deutlich schwächer abschnitten. Gleichzeitig scheinen Aktienanleger für Faktoren wie Gewinnstabilität und Bilanzqualität hohe Bewertungsaufschläge zu akzeptieren.

Betrachtet man dazu noch unterdurchschnittliche Kreditrisikoaufschläge („Spreads“) für Unternehmensanleihen, so glauben die Kapitalmärkte in etwa an eine Wachstumsverlangsamung, die durch die Notenbanken so schnell und wirksam ausgebügelt werden kann, dass Rezessions- und Kreditausfallrisiken gering bleiben. Ein durchaus schmaler Grat. Gerade die Aussicht jede Wachstumsdelle mit dem alten Rezept Zentralbankstimulus zu bekämpfen, beflügelt über sinkende Realzinsen eigentlich ertraglose Ersatzwährungen: Während die Einen aus einem Gefühl des Unbehagens zu Gold als Versicherung greifen, interpretieren es die Anderen als Einladung zu hochspekulativen Engagements in Kryptowährungen wie Bitcoin.

Die Woche voraus
In der kommenden Woche werden die Anleger zunächst die Erkenntnisse aus dem G-20 Gipfel im japanischen Osaka verdauen, mit dem klaren Fokus auf die Gesprächsfortschritte zwischen Donald Trump und Xi Jinping. Vor allem das Risikoszenario eines misslungenen Gespräches und die Einführung neuer Einfuhrzölle für chinesische Produkte würde die Abwärtsrisiken für die Weltwirtschaft, aber auch die Bereitschaft der Zentralbanken zu stimulieren, erhöhen. Vor diesem Hintergrund findet die Entwicklung der amerikanischen Handelsbilanz (Mi) mehr Beachtung, neben dem Arbeitsmarktbericht für den Juni (Fr). Ansonsten stehen die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe (Mo) und Dienstleistungen (Mi) im Fokus. Gerade die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe hat sich in den USA zuletzt merklich eingetrübt, und in Regionen wie der Eurozone und China nur in sehr kleinen Schritten erholt.

Active is: „Mister Market“ hinterfragen
Die in den Marktpreisen enthaltenen Annahmen lassen sich derzeit nur mit Mühe zu einem stimmigen Szenario zusammenfügen. Sicher scheint nur: (Zentralbank-)Geld alleine macht nicht glücklich, wenn sich die Konjunkturdaten nicht verbessern. Und auch die Geopolitik sollte keine weiteren Steine in den Weg legen. Eine aufschlussreiche Woche steht bevor.

Hinterfragen Sie ab und an „Mister Market“,

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Stefan Rondorf

 


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